China: Geboren ohne Recht auf Leben

Chinesische Paare dürfen in Zukunft nicht mehr nur eins, sondern zwei Kinder haben. Das hat das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei am 29. Oktober in Peking zum Abschluss einer Sitzung bekannt gegeben, bei der über den neuen Fünf-Jahres-Plan zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung des Landes verhandelt worden war. Der Plan soll im März 2016 vom Volkskongress gebilligt werden. Mit dieser Maßnahme schafft China nach mehr als drei Jahrzehnten die umstrittene Ein-Kind-Politik ab.

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Die Chinesen nennen sie „Heihaizi – Schwarze Kinder“, im Sinne von „im Verborgenen geboren“: Sie dürfen weder zur Schule gehen, noch sich um eine Arbeitsstelle bewerben oder ein Konto eröffnen – denn sie sind die zweitgeborenen Kinder in ihren Familien und als solche dank der Ein-Kind-Politik per Gesetz verboten: Sie existieren gar nicht…

Ihr einziges Verbrechen ist es, dass ihre Eltern sie trotz der Ein-Kind-Politik geboren haben und damit gegen das Gesetz verstießen. Wenn sie ihr heimlich neugeborenes zweites Kind ins Geburtenregister eintragen lassen wollten, dann müssten sie eine Strafe zahlen, in der Regel so hoch, dass es viele Einkommen zu weit übersteigt. Also haben viele Eltern ihre Kinder lieber nicht gemeldet, deshalb müssen diese „Heihaizi“ ihr Leben im Verborgenen fristen. 13 Millionen Kinder mit diesem traurigen Schicksal sollen heute in China leben. Darüber offen zu reden, ist natürlich ein Tabu.

Nach einer langen und schwierigen Recherche gelang es unseren Reportern „Heihaizi“ zu finden, die über ihr Schicksal vor der Kamera zu reden bereit waren. Sie leben im Verborgenen in Millionenstädten wie Peking und Shenzhen oder in Dörfern auf dem Land. Vor allem in den abgelegenen Regionen Chinas wachen die Behörden mit eiserner Hand darüber, dass kein Kind zu viel geboren werden soll – und dringen dabei ohne jede Scham tief ein in die intimsten Sphären der Familien.

Von Marjolaine Grappe

Aus Info.arte.tv

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