Kazuki Yazawa, der Wildwasser-Mönch

Kazuki Yazawa steuert sein Kajak durch den Stangenwald im Wildwasserkanal. Er macht das besser als jeder seiner Landsleute. Doch nach einer Olympia-Medaille sehnt sich der japanische Slalomkanute nicht. Im wilden Wasser sucht er etwas ganz anderes.

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Sein Kopf ist kahlgeschoren. Das gehört bei buddhistischen Mönchen eben dazu, und Kazuki Yazawa nimmt seine Aufgabe sehr ernst. Seit sich der Slalomkanute aus Japan dem Dharma, der buddhistischen Lehre, verschrieben hat, spielt sein Sport für ihn nur noch eine Nebenrolle. Yazawa hat sein Leben nach den Olympischen Spielen in London auf den Kopf gestellt. Seit drei Jahren ist er Mönch, er will daraus auch Kraft für seinen Start in Rio ziehen. Um Ergebnisse geht es ihm jedoch nicht (mehr).

Vor vier Jahren wurde der 27-Jährige Neunter im K1, besser war kein Japaner in der Olympia-Geschichte. Und doch entschied sich der aufstrebende Athlet ganz bewusst dafür, seine Prioritäten zu verschieben. „Ich hatte nie vor, beides ausgewogen anzugehen“, sagte er zuletzt dem „Guardian“: „Als ich buddhistischer Mönch wurde, habe ich entschieden, dass ich nur in der Zeit Kanu fahre, die übrig bleibt.“ Allerdings spielte bei der Entscheidung wohl auch eine Rolle, dass ihn die ständige Suche nach Sponsoren belastete. Er wünschte sich, so heißt es in dem englischen Zeitungsbericht, eine stabile Situation.

Entsprechend sieht der Alltag aus. Zu Hause ist Yazawa regelmäßig vor Sonnenaufgang unterwegs und erfüllt im Tempel Zenkoji Daikanjin seine Pflichten. Erst am Abend geht es ins Boot. Das Pensum lag in der Vorbereitung bei sechs Trainings à 90 Minuten pro Woche, dazu kamen Läufe und Einheiten im Kraftraum. Nicht viel für einen Leistungssportler.

Im Wildwasser-Stadion von Deodoro strebt er nicht nach Medaillen, sondern bei seinen dritten Olympischen Spielen nach Peking 2008 und London 2012 nach Glückseligkeit. „Ich hoffe, dass ich mit einem guten Gefühl nach Japan zurückkehre“, sagte der Mönch bescheiden. Sein Wandel habe ihm etwas Druck genommen. „Diesmal bin ich entspannter. Ich denke, ich kann die Spiele genießen.“

Aus n-tv.de

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