Migräne – Vor dem Kopfschmerz kommen Ausfälle

Vincent van Gogh malte unter dem Einfluss von Wahrnehumgsstörungen. So entstand etwa die „Sternennacht“. Die Erscheinungen der Heiligen Hildegard von Bingen sind bis in unsere heutige Zeit bekannt.

VINCENT VAN GOGHS „Sternennacht“ gilt als ein Werk, in das Inspirationen durch Wahrnehmungsstörungen einer Migräneaura einflossen. (Foto: Wikipedia)

In ihren „Visionen“ sah sie Lichtpunkte, die von einem schimmernden Randsaum umgeben waren und die sie als Sterne und flammende Augen beschrieb. Heute deuten Mediziner diese Erscheinungen als Symptome einer „Migräne mit Aura“, unter der auch van Gogh litt.
Nach Schätzungen leiden bis zu zehn Millionen Menschen in Deutschland unter Migräne, deren Charakteristika unerträgliche Kopfschmerzen, Übelkeit und Lichtempfindlichkeit sind. Bei zehn bis 20 Prozent aller Erkrankten wird eine Migräneattacke durch neurologische Symptome eingeleitet, die dem eigentlichen Migränekopfschmerz zirka 30 Minuten vorausgehen.
Bei diesen Auren handelt es sich um elektrische Funktionsstörungen des Gehirns, die sich langsam von hinten nach vorne ausbreiten. Sie äußern sich zum einen in einseitigen Sehstörungen, die in Form von Flimmererscheinungen, Lichtblitzen, Flecken und Ausfallerscheinungen auftreten und sich steigernd erweitern. Selbst beim Schließen der Augen verschwinden diese Beeinträchtigungen nicht.
Zum Anderen kommt es zu Gefühlsstörungen, die sich in Taubheits- oder Kribbelempfindungen äußern. Wie die Sehstörungen breiten sich auch sie sich aus, von der Hand über Arm und Bein bis in den Fuß und in das Gesicht. Dabei kann es zu Lippen- und Zungenblockaden kommen, die in einer Sprachstörung gipfeln, oder zu einseitigen Lähmungserscheinungen.
Die Abfolge der auftretenden Symptome ist vergleichbar mit einem Schlaganfall. Wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist jedoch das zeitliche Auftreten. Kommen beim Schlaganfall alle Erscheinungen plötzlich und auf einmal, so folgen die Symptome bei der Migräne mit Aura aufeinander.
Innerhalb von fünf bis 60 Minuten haben sich die Auren im typischsten Fall vollständig zurückgebildet. Folgt in den nächsten 60 Minuten der klassische Migränekopfschmerz, spricht man von einer Migräne mit typischer Aura.
Dauern die Auren länger an und bilden sich innerhalb der nächsten sieben Tage zurück, handelt es sich um eine Migräne mit prolongierter (verlängerter) Aura. Ein migränöser Hirninfakt liegt vor, wenn die Symptome auch nach einer Woche nicht verschwunden sind. Durch die verschlechterte Durchblutung und den Blutmangel kann ein Schlaganfall ausgelöst werden.
Eine Sonderform der Auramigräne ist die Basilarismigräne, deren Symptome sich nicht einseitig wie bei der Migräne mit typischer Aura äußern, sondern beide Körperhälften betreffen. Somit handelt es sich bei Migräne um eine neurologische Erkrankung.
Die Auslöser einer Migräne werden auch Triggerfaktoren (aus dem Englischen von trigger – Auslöser) genannt. Diese Faktoren sind häufig Stress, ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus, Nahrungsmittel wie Alkohol, verschiedene Käsesorten, Schokolade oder Koffein, Geschmacksverstärker wie Glutamat und hormonelle Einflüsse, wie beispielsweise die Anti-Babypille.
Es wurde nachgewiesen, dass vor allem Migräne erkrankte Frauen einem erhöhten Schlaganfallrisiko ausgesetzt sind. Bei diesen Patientinnen sei ein um 91 Prozent erhöhtes Risiko festgestellt worden, so Matthias Maschke, Chefarzt derNeurologie und Neurophysiologie am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier (BKT). Er beruft sich auf Untersuchungen der Harvard-Universität in Boston.
Durchblutungsstörungen, Nikotingenuss und die Einnahme der bereits erwähnte Empfängnisverhütungspille steigern das Risiko zusätzlich.
Zur Zeit sind die Auren der Migräne noch nicht durch Medikamente behandelbar. Sie können weder durch Migränemittel wie Triptane oder Ergotamine, noch durch Schmerzmittel verkürzt werden. Diese helfen den Patienten lediglich, die Kopfschmerzattacken zu ertragen.
Viele Betroffene sehen die Auraphase als Warnsymptom für die folgenden Migränekopfschmerzen an und konsumieren Schmerzmittel wie Paracetamol in Kombination mit Mitteln gegen die Übelkeit. Es gibt Maßnahmen, die eine Attacke verhindern können.
Es sollte auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus geachtet, ausgeglichen gegessen und dem Körper eine richtige Mischung aus Entspannungsphasen und Ausdauersport geboten werden. Bei Verdacht einer Migräneerkrankung sollte stets ein Arzt aufgesucht werden. Anja Mendel15.9.2009
Aus: Echo-online.de

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