Judo-Ass Bischof plant den zweiten Gold-Coup

Tokio (SID) – Der Olympiasieger ist gerüstet für den großen Auftritt im Judo-Mutterland: „Ich bin ich ein klarer Mitfavorit auf den ersten Platz – aber da muss auch wirklich alles perfekt laufen“, sagt Ole Bischof vor den gestern beginnenden Weltmeisterschaften in Tokio. Zwei Jahre nach dem Gold-Coup von Peking will Deutschlands Vorzeige-Kämpfer erneut in Fernost für Furore sorgen.
Der Reutlinger, vor Jahresfrist in Rotterdam WM-Dritter, ist der viel versprechendste deutsche Medaillenkandidat bei der fünftägigen Mammutveranstaltung mit rund 1000 Kämpfern aus über 100 Nationen. „Allein in meiner Gewichtsklasse gehen 81 Athleten aus allen Teilen der Welt an den Start“, sagt Bischofs.

Schulterverletzung behinderte WM-Vorbereitungen

Der Saisonverlauf des 31-Jährigen war freilich nicht ideal. Bischof verzichte auf die EM in Wien, stieg erst im Mai ins Wettkampfgeschehen ein, gewann sogleich den Grand Prix in Tunis. Eine hartnäckige Schulterverletzung begleitete Bischof durch den Sommer, kostete ihn die Generalprobe beim Europacup in Hamburg. „Eine reine Vorsichtsmaßnahme, die Schulter schmerzt nicht mehr“, gibt Bischof Grünes Licht für den sportlichen Angriff.

Und das auf durchaus traditionsreichen Boden, im Yoyogi National Gymnasium, das trotz seiner mittlerweile 46 Jahre Betriebszeit immer noch reichlich futuristisch wirkt. 1964 fanden hier die olympischen Schwimmwettbewerbe statt – die Judo-Konkurrenzen, bei denen der am 27. August verstorbene Niederländer Anton Geesink als erster Nicht-Japaner Olympia-Gold gewann, wurden hingegen im Nippon Budokan ausgetragen.

Japan war bislang ein ausgezeichnetes Pflaster für deutsche Kämpfer. 2003 in Osaka, als die WM zuletzt im Judo-Mutterland Station machte, fuhr der DJB mit fünf Medaillen ein und stellte in Florian Wanner den bis heute letzten Weltmeister – in Bischofs Gewichtsklasse bis 81 kg.

Medaillen-Chancen auch für Malzahn, Wollert, Konitz und Tölzer.
Das Potenzial, in Wanners Fußstapfen zu treten, haben neben Bischof noch einige Athleten aus dem 18-köpfigen (zwölf Frauen, sechs Männer) deutschen Aufgebot. Gerade bei den Frauen hegen die Weltranglistendritte Claudia Malzahn (Halle/Saale), Heide Wollert (Leipzig) oder auch Schwergewicht Franziska Konitz (Berlin) berechtige Medaillen-Hoffnungen. „Allerdings ist dies auch die stärkste Judo-WM aller Zeiten. Durch die Änderung des Wettkampf-Modus, dass zwei Starterinnen pro Nation dabei sind, ist auch eine große Portion Glück für eine Medaille nötig“, sagt Frauen-Bundestrainer Michael Bazynski.

Bei den Männern neben Bischof vor allem der zuletzt glänzend aufgelegte Andreas Tölzer, der den Doppelstart in der Gewichtsklasse über 100 kg sowie in der offenen Klasse wagt. „Ich muss mich vor niemandem verstecken. In Tokio ist alles drin, vom frühen Aus bis zu den Medaillen.“ Gerade im „Open“, für die Asiaten die Königsdisziplin, ist die Konkurrenz allerdings gewaltig.

So wichtig ein WM-Titel wäre, so wichtig sind die 500 Weltranglistenpunkte, die es dafür gibt. Denn die würden fast schon ein Olympiaticket bedeuten. „Die WM ist eben auch nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach London“, sagt Bazynski.
Aus:zeit.de

Share

Hinterlass eine Antwort