Capoeira: Ein Tanz, der wehtun kann

von Carolin Seidel
Die brasilianische Sportart ist eine Mischung aus Kampfkunst und Tanz. Die WZ war bei einem Kurs in Wuppertal dabei.
Wuppertal. Ganz in weiß gekleidet, läuft Janna Komborozos (22) barfuß über den Holzboden. Schnell ein paar Dehnübungen, und dann geht es los: Im Handumdrehen schlägt Janna ein Rad. Ein Handstand mit anschließendem Überschlag folgt. Obwohl ihre Bewegungen weich und spielerisch aussehen, könnte der nahe Körperkontakt mit Janna jetzt gefährlich werden. Denn was so leicht und tänzerisch aussieht, ist auch ein Kampfsport – Capoeira, traditioneller Kampftanz aus Brasilien.

Hinter den energischen Bewegungen steckt ein langes, hartes Training, das viel Aufmerksamkeit und Körperbewusstsein erfordert. Immer häufiger werden Schnupperkurse für die außergewöhnliche Sportart angeboten. Die WZ war in der Tanzschule Allegro in Ronsdorf dabei.

Kampf oder Tanz? Auf den ersten Blick fällt die Entscheidung schwer. Afrobrasilianische Melodien lockt Kursleiter Ivan Cardoso de Oliveira aus einer kleinen Handtrommel. Dazu wird gerasselt. Brasilianisches Flair durch den Raum. Zu erdigen Tönen drehen sich die Kursteilnehmer im Kreis. Was eben noch geschmeidig aussah, gewinnt jetzt rasant an Tempo. Tritte und Sprünge folgen. Ein Wechselspiel aus Angriff und Ausweichen zwingt zu permanenter Konzentration. Die 22-jährige Janna hat ihr Gegenüber stets im Blick.

„Bleibt in eurer Schiene“, mahnt der Kursleiter, als die beiden Kämpfer voneinander abweichen, „ihr könnt immer von allen Seiten angegriffen werden.“ Heute beäugt Kursleiter Oliveira seine Schützlinge ganz genau, denn ein neuer Tritt wurde erlernt: „Mea Lua de Frente“ („Halbmond von vorne“) wird dieser in Capoeira-Sprache genannt – dabei zieht das Bein schwungvoll einen Halbkreis über den Kopf des Gegners.

Auf die Beweglichkeit kommt es an – Ausweichen ist das Wichtigste
Neben den Tritten komme es aber vor allem auf die „Ginga“ („Beweglichkeit“) der Kursteilnehmer an, so de Oliveira. Das klappt bei Janna, die vor sieben Jahren das erste Mal Capoeira-Kurse besucht hat, schon ganz gut. Der elfjährige Kai braucht da noch mehr Übung: „Ich bin fix und fertig“, sagt er. Auch die Tritte und Drehungen fielen ihm noch schwer.

Capoeira ist eine brasilianische Form der Selbstverteidigung. Bei dieser Kampfkunst geht laut Trainer de Oliveira nicht darum, den Gegner zu verletzten, sondern geschickt auszuweichen. „Capoeira soll die Körperbeherrschung schulen“, so de Oliveira, der seit 21 Jahren Capoeira-Fans unterrichtet und in Brasilien selbst damit aufgewachsen ist. „Wer nicht aufpasst, kann schnell etwas abbekommen“.

aus:
wz-newsline.de

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