Elegie für den Hund

US-Senator George Graham Vest (1830-1904) hielt dieses Plädoyer 1870 (Elegy on the Dog) in einem Rechtsstreit vor dem Johnson Country Circuit Court, Warrensburg, Missouri. Dort soll sich im Jahre 1869 folgende Geschichte zugetragen haben: Old Drum, der geliebte Hund eines Farmers, verirrte sich eines Tages auf dem Grundstück eines Nachbarn. Für den war der Hund nur ein wilderndes Tier, das er ohne Zögern erschoss. Dann geschah das für jene Zeit Unfassbare: Der Hundebesitzer brachte den Nachbarn vor Gericht. Er wollte erreichen, dass man – erstmals in der Geschichte – den Hund als ebenbürtigen Partner des Menschen anerkannte und in ihm nicht länger eine seelenlose Sache sah. Burden erhielt Recht und Hornsby wurde zu 150 Dollar Strafe verurteilt. Hornsby legte Widerspruch ein und verlor auch in der höchsten Instanz und zahlte letztendlich 550 Dollar Strafe an Burden ( 400 mehr als was das Gesetz dafür auslegte).

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Meine Herren Geschworenen:

„Der beste Freund, den ein Mensch auf dieser Erde haben kann, kann sich ändern und zum Feinde werden. Sohn und Tochter, die er mit liebender Sorge großgezogen hat, mögen sich als undankbar erweisen. Die, die uns am nächsten stehen und uns am liebsten sind, jene denen wir in unserem Glück gutgläubig vertrauen, mögen Verräter an ihrer Wahrhaftigkeit werden. Das Geld, das ein Mensch besitzt, kann er wieder verlieren. Es zerinnt ihm dann, wenn er es am nötigsten bräuchte. Des Menschen Ruf kann im Nu einer Fehlbetrachtung zum Opfer fallen. Leute, die sich vor uns beugen, um auf die Knie zu fallen und uns Ehre bezeugen solange wir Erfolg haben, mögen die ersten sein, die den tückischen Stein nach uns werfen, wenn uns Fehlschläge heimsuchen.

Den einzigen unbedingt selbstlosen Freund , den ein Mensch in dieser eigensüchtigen Welt haben kann, der ihn niemals verläßt, der sich niemals undankbar erweist oder als verräterisch, ist der Hund.

Meine Herren Geschworenen:

Des Menschen Hund hält zu ihm in Glanz und Armut , in Wohlbefinden und Krankheit. Er wird auf dem kalten Boden schlafen, wenn der Wintersturm bläst und der Schnee stürmt. wenn er nur neben seines Herrn Seite bleiben darf.

Er wird ihm die Hand lecken, selbst wenn sie ihm kein Futter reichen kann. Er wird die Wunden und Verletzungen lecken, die, die rauhe Umwelt mit sich bringt Er bewacht den Schlaf seines verarmten Herrn, als ob dieser ein Prinz wäre.

Wenn alle Freunde sich abwenden, dann bleibt er. Wenn der Reichtum schwindet und der gute Ruf zerbricht, dann bleibt er in seiner Liebe so beständig, wie die Sterne am Firmament. Wenn das Schicksal seinen Herrn in die weite Welt verschlägt, ohne Freunde und heimatlos, fragt der treue Hund nach weiter nichts, als daß er ihn begleiten und gegen Gefahren beschützen darf.

Er kämpft gegen seines Herren Feind. Wenn dann der letzte Abschnitt anbricht und der Tod seinen Herrn in die Arme nimmt, der leblose Körper in das kühle Grab gelegt wird, ganz gleich ob alle anderen Freunde ihres Weges weiterziehen, hier am grabe ist der edle Hund zu finden, mit dem Kopf zwischen den Pfoten, mit traurigen aber wachsamen Augen, treu und wahr bis zum Tode „.

Aus: Einem PPS

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